Rückblick auf 15. Fachtag der LAG

Thema „Pathologisierung von Kindern und ihr Recht auf Würde“ (22.05.19)

Auch in diesem Jahr hat die LAG Brandenburg wieder einen Fachtag in Oranienburg mit kompetenten Referenten ausgerichtet.

Auch in diesem Jahr hat die LAG Brandenburg wieder einen Fachtag in Oranienburg mit kompetenten Referenten für die Fachkollegen ausgerichtet. Er fand am 22. Mai 2019 statt und stand unter dem Thema „Pathologisierung von Kindern und ihr Recht auf Würde – Feinfühlige Begegnungen statt funktionaler Beziehungen“. Frau Klinke-Schulze, vom LAG Vorstand und federführend für den Fachtag, eröffnete diesen und führte durch das Programm. Frau Berg, Geschäftsführerin der LAG, berichtete Aktuelles aus der LAG und von der Arbeit an der Imagekampagne der LAG zur Erziehungsberatung. Herr Sellmer, aus der EFB Potsdam, wurde als „Geburtshelfer“ der Imagekampagne gewürdigt und aus der aktiven Arbeit an der Imagekampagne verabschiedet. Er widmet sich demnächst anderen Aufgaben. Die Idee und Initiative zur Imagekampagne brachte er 2014 auf der Leitertagung der LAG ein. Seitdem ist auf diesem Gebiet Einiges erreicht worden, u. a. Flyer, Plakate, Homepage. Flyer und Plakate der Imagekampagne lagen für alle Teilnehmenden aus.

Den ersten Vortrag des Fachtages, „Pathologisierung von Kindern durch Diagnosen“, gestaltete Herr Pap aus Cottbus. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (VT), Hypnotherapeut, systemischer Berater, medizinischer Gutachter. Herr Pap sprach aus seiner vielfältigen und praktischen Erfahrung sehr anschaulich und kurzweilig zum Thema. Er ging u.a. auf die Geschichte der Diagnosesysteme ein. Grundsätzlich verwies er darauf, dass Kindheit Entwicklung bedeutet, was bei jeder Diagnosestellung berücksichtigt werden sollte. Zu jedem Symptom muss immer die Entwicklungsphase des jeweiligen Kindes mitbedacht werden. Was bedeutet es z.B. für ein Kind und sein Selbstbewußtsein, wenn es vorzeitig eingeschult und wieder ausgeschult wird? Herr Pap ging mit den Teilnehmenden u.a. den Fragen nach: Wer braucht Diagnosen? Wo wirken sie wie in Stein gemeißelt und was bedeutet das für die Betroffenen? Jede Diagnose hat Nebenwirkungen: Defizitäres, Scham, Passivierung (Selbstwirksamkeit), negative Erwartungshaltung (Selbsterfüllende Prophezeiung). Symptome sind immer in Bezug auf das Entwicklungsalter zu interpretieren. Dem Vortrag schloss sich eine kurze Fragerunde der Teilnehmenden an, mit Verweis auf die Arbeitsgruppe 1 am Nachmittag.

Den zweiten Vortrag, nach einer kurzen Pause, gestaltete Frau Damm aus Berlin. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin, Beraterin für Frühe Bindung, Kindergartenpädagogin, freie Dozentin. Sie sprach zum Thema „Feinfühlige Resonanz der Erwachsenen und ihre enorme Bedeutung für die kindliche Entwicklung“. Frau Damm vertiefte als Erstes den Begriff „Würde“ aus dem Titel des Fachtages. Dieser hat im Grundgesetz oberste Priorität. Die goldene Regel der Würde: „Tue dem anderen nichts an, was dir nicht angetan werden sollte.“, besagt, ich muss den andern annehmen wie mich selbst. Was bedeutet das für die Eltern-Kind-Beziehung? Juul spricht von einer „gleich-würdigen“ Beziehung zwischen Eltern und Kindern, was schwierig wird, wenn aus Eltern Co-Therapeuten werden. Frau Damm nahm kritisch Bezug zu dem Film „Elternschule“, sprach zu Resonanzfähigkeit und der Frage: wie können wir die Welt und unser Leben resonanter gestalten? Die Beschleunigung des Lebens führt zu Empathieverlust. Welche Auswirkungen hat das für die Eltern-Kind-Bindung? Sie erläutert den „Kreis der Sicherheit“ und spricht zu Resilienzerfahrungen. Eine kurze Fragerunde folgte, mit dem Verweis auf die Arbeitsgruppe 2 am Nachmittag.

Der Nachmittag war geprägt durch die drei Arbeitsgruppen. Die AG 1 wurde von Herrn Pap geleitet unter dem Titel „Kindheit ist keine Krankheit, sondern Lebenszeit“, nach einem Zitat von Dr. M. Hauch. Anhand eines Fallbeispiels wurde die Bedeutung von Diagnosen für das Kind, seine Eltern und der jeweiligen Berufsgruppe in Schule, Kita und Jugendamt diskutiert. In der AG 2 ging es um die „Förderung von Bindungssicherheit – die andere Art von Elternschule“. Unter der Leitung von Frau Damm näherten sich dazu die Teilnehmenden in Stationsarbeit dem Thema. Die AG 3 wurde als praktischer Workshop gestaltet und geleitet von Frau Julia Zemann aus Berlin. Sie ist u.a. Psychodramaleiterin, Schauspielerin, Therapeutische Puppenspielerin. Die Teilnehmenden des Workshops haben sich aktiv im Dialog und Rollenspiel und mit verschiedenen Handpuppen beschäftigt.

Der Fachtag endete mit dem Abschlussforum, bei dem die Referenten in einer kurzen Zusammenfassung die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe vorstellten. Die Fachvorträge und alle drei Arbeitsgruppen hatten, wie der gesamte Fachtag, eine positive Resonanz der Teilnehmenden. Darüber hinaus wurde immer wieder der fachliche Austausch unter den Kollegen geschätzt, sowie der Büchertisch mit den Anregungen und Empfehlungen der Referenten, nicht zu vergessen die kulinarische Pausenverpflegung. Am Ende des Fachtages bleibt die Vorfreude auf den nächsten Fachtag.

Sabine Gesche, LAG-Vorstandsmitglied